Die Liebe als Seins-Zustand [+Übung]

„Was ist Liebe?“


Dies ist wohl eine der ältesten und beliebtesten philosophischen Fragen der Welt. Nun, möglicherweise gibt es [mindestens] so viele Antworten auf diese Frage, wie es Menschen auf der Erde gibt. 🙂

Für mich persönlich ist Liebe nicht etwas, das uns von „außen“ widerfährt, wenn wir nur „endlich“ den oder die „Richtige:n“ gefunden haben. Vielmehr ist Liebe in meinen Augen eine Fähigkeit, ein Seins-Zustand, in den wir eintreten können. Wir können IN Liebe sein [oder eben nicht]. Viel schöner als die Formulierung „Ich liebe Dich“, welche mir ein wenig „statisch“ vorkommt, empfinde ich daher die Wendung: „Ich bin in Liebe mit Dir“ [im Englischen sagt man z.B. auch: „I am in love with you“].

Mein Mann und ich haben schon öfter über dieses Thema philosophiert und kamen eigentlich immer zum selben Schluss: Liebe ist unendlich und kennt keine Begrenzungen oder Regeln. Wer zur Liebe fähig ist, kann alles, jeden und zu jeder zeit lieben. Beziehungen sind es, die sich durch Vereinbarungen und Grenzen definieren, nicht die Liebe per se. So ist es für uns vollkommen menschlich und normal, nicht ausschließlich in Gegenwart einer einzigen Person Liebe zu empfinden – wir möchten auch in Begegnungen mit anderen Menschen in uns ein Gefühl der Liebe zulassen. 

Liebe als Seins-Zustand ist für uns etwas Unbegrenztes, Heilsames und völlig Freies.

Wie wir unsere Liebe dann zum Ausdruck bringen, also welche Handlungen/Aussagen/etc. unsere Beziehungen gestalten, bestimmt sich aus gesellschaftlichen und/oder individuellen Übereinkünften – so zeigen wir z.B. die Liebe zu unseren Kindern durch ein anderes Verhaltens-Repertoire als etwa zu unseren Eltern, Geschwistern, Freunden, Haustieren, etc.

NäheOftmals verlieren wir den Kontakt zu unserer Liebesfähigkeit, zu diesem unendlichen Quell der Liebe, aus dem wir entspringen.
Besonders leicht verlassen wir den Zustand der Liebe dann, wenn wir mit negativen Emotionen konfrontiert sind, die auch [oder gerade] in Begegnungen mit anderen Menschen in uns aufkommen können. Sind wir beispielsweise wütend oder verletzt, sind wir für diese zeit nicht in einem Zustand der Liebe, sondern außerhalb davon – wir sind in einem Zustand der Trennung, einer Trennung von uns selbst und einer Trennung von unserem Gegenüber. Ein Gefühl der Enge begleitet meist negative Emotionen. Öffnet man sein Herz hier wieder ein Stück und weitet seinen Blick und seine Empfindungen, verlieren die negativen Emotionen ihre Intensität und halten uns nicht mehr derart in ihrem klammen Griff gefangen. Ein wichtiger Aspekt ist meiner Ansicht nach hier auch, dass wir selbst für unsere emotionalen Reaktionen die Verantwortung tragen – eine Ansicht, die uns von einem klassischen „Opfer-Täter“-denken hin zu einer autonomen, selbstreflektiven Ebene führt.
Ein wirkungsvoller erster Schritt in einen geweiteten, liebevolleren Zustand ist das Annehmen – die Wirklichkeit so anzunehmen, wie sie sich uns gerade präsentiert [inklusive unserer eigenen emotionalen Reaktion darauf]. Ein erster Schritt hinaus aus einer negativen Emotion – nehmen wir als Beispiel die Wut – kann sein, die eigene wütende Reaktion auf einen bestimmten inneren oder äußeren Auslöser anzuerkennen und sich nicht dafür zu verurteilen. Übernimmt man anschließend noch die Verantwortung für diese wütende Reaktion und erkennt, dass sie hauptsächlich aus einem Selbst heraus entstanden ist [etwa durch unsere eigenen Erwartungen und Vorstellungen darüber, wie die Welt zu sein hätte] und nicht durch die Außenwelt, ist man bereits mit einem beherzten Schritt über die Schwelle der Eingangstür zum liebevollen Zustand getreten.
Nach ähnlichen Mechanismen funktioniert beispielsweise auch Byron Katies 4-Fragen-Technik [übrigens eine der effektivsten  und genialsten Coaching-Techniken, die mir bekannt sind] – sie weitet den Blick für andere Perspektiven und führt einen Stück für Stück zurück in einen geweiteten, annehmenden und liebevolleren Zustand.

Wenn Liebe eine Fähigkeit ist, würde das bedeuten, dass man sie üben könnte, richtig? 🙂 Und genau davon bin ich überzeugt – man kann üben, in sich selbst einen liebevollen Zustand hervorzurufen und somit im schönstmöglichen [und kraftvollsten] Zustand der Welt und all ihren Wesen zu begegnen.

Um meine eigene Liebesfähigkeit zu stärken und auch, um innere Konflikte energetisch zu befrieden, erstellte ich mir vor ca. zwei Jahren eine kleine, meditative Übung, die ich hier nun gerne mit euch teilen möchte.

P.S.: Ihr könnt die Meditation auch als pdf downloaden, um sie auszudrucken.
P.P.S.: Die Durchführung der Übung erfolgt nach eigenem Ermessen und auf eigene Verantwortung. Solltest du Fragen zur Durchführung haben, hinterlasse mir gerne ein Kommentar.


„Suche Dir einen ruhigen Ort, an dem Du für die Dauer der Übung ungestört bist. Setze Dich bequem hin und schließe die Augen. Nimm ein paar tiefe Atemzüge und lass bei jedem Ausatmen Spannung gehen, so dass Du Dich immer weiter und tiefer entspannen kannst.

Nun lass vor Deinem geistigen Auge, Dir gegenüber, intuitiv einen Menschen erscheinen, der in Deinem Leben eine Rolle spielt. Sieh diesen Menschen an, hör vielleicht auch seine Stimme und nimm das Gefühl wahr, das spontan durch diese Begegnung in Dir entsteht, doch ohne es zu bewerten. Nimm es einfach nur wahr. Wenn Du kannst, lass dieses Gefühl für einen Moment stärker werden und bleibe dabei Deinem Gegenüber zugewandt.

Sag nun laut oder innerlich folgenden Satz:
Ich danke Dir, dass ich durch Dich diese Facette meiner Gefühlswelt erfahren und an Dir lernen und wachsen darf.“ 

Du kannst individuell ein paar zusätzliche Dankesworte sagen, etwa: 
„Ich danke Dir für Deinen Beistand, Deinen Schutz, Deine Hilfsbereitschaft, Deinen Humor, etc.“

Solltest Du zu irgendeinem Zeitpunkt einen Widerstand empfinden, nimm diesen an und bedanke Dich dafür: 
„Ich danke Dir, dass Du mir zeigst, wo ich noch wachsen kann.“

Anschließend öffne in jedem Fall, egal welche Emotion Du für die Person empfindest, Dein Herz und lass für einen Moment die intensivste Zuneigung zu, die Dir gerade möglich ist. Lege die Hände auf jene Stelle Deines Körpers, an welcher Du Deine Liebe am stärksten spürst und sprich laut oder innerlich:
„Ich wünsche Dir, dass Du den für Dich richtigen Weg erkennen und gehen kannst. Ich wünsche Dir, dass jene Menschen um Dich sind, die für Deine Entfaltung förderlich sind. Ich wünsche Dir, dass Du jene Lektionen erfährst, die zu lernen Du in diese Existenz gekommen bist. Ich stimme Deinem Sein voll und ganz zu.“
Verweile so lange Du möchtest in dieser Zuneigung.

Lass nun die Person gehen und finde für ein paar Momente in eine tiefe Ruhe und Entspannung zurück.
Wiederhole den Vorgang beim nächsten Menschen, der intuitiv vor Dir erscheint.

Beende die Übung zu einem Zeitpunkt Deines eigenen Ermessens.“

Anmerkung:
Solltest Du bei einer Person phasenweise Verlustangst bzw. „klammernde Liebe“ empfinden, kannst Du deine Segnung noch ergänzen, zum Beispiel folgender Art:

„Ich wünsche Dir, dass Du den für Dich richtigen Weg erkennen und gehen kannst, auch wenn dieser Weg nicht der meine sein sollte. Ich wünsche Dir, dass jene Menschen um Dich sind, die für Deine Entfaltung förderlich sind, auch wenn ich nicht unter diesen sein sollte. Ich wünsche Dir, dass Du jene Lektionen erfährst, die zu lernen Du in diese Existenz gekommen bist, auch wenn ich keine dieser Lektionen sein sollte. Ich stimme Deinem Sein aus ganzem Herzen zu.“
Alle Sätze dieser Übung sind Vorschläge – gerne kannst Du eigene Worte finden, welche sinngemäß eine ähnliche Botschaft vermitteln. 


Meditation zur Stärkung der eigenen Liebesfähigkeit

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