Lach dich gesund!

„Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.“ (Nicolas Chamfort)

Lachen4Wie recht er mit seiner Aussage hatte, war dem französischen Schriftsteller Nicolas Chamfort (18. Jahrhundert) möglicherweise gar nicht bewusst – erst 1964 befasste sich der Psychiater William F. Fry an der Stanford University erstmalig mit den Auswirkungen des Lachens auf Psyche und Körper. Die wissenschaftliche Untersuchung des Lachens wird „Gelotologie“ genannt [von griech. gélōs = „Lachen“]. In den letzten Jahrzehnten konnten Fry und andere Wissenschafter eine Reihe positiver Effekte von Lachen und Humor beobachten und teilweise auch wissenschaftlich belegen. So fördert Lachen etwa die Durchblutung und beugt damit Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Weiters können durch herzhaftes Lachen Schmerzen gelindert, Stress deutlich reduziert und das Immunsystem gestärkt werden. Auch auf die Psyche hat Lachen eine positive Wirkung – beispielsweise können ins Stocken geratene Gedanken wieder angeregt und geordnet werden.

Lachen1Wenn man dies alles nun weiß, scheint es doch recht verwunderlich, warum wir nicht allesamt viel häufiger lachen! Eine Studie von Martin & Kuiper aus dem Jahr 1999 legt nahe, dass Erwachsene durchschnittlich nur etwa 17,5 Mal pro Tag lachen. Interessant ist dabei, dass wir laut dem Gelotologen Robert R. Provine in Gesellschaft anderer Menschen 30x häufiger lachen als alleine – wer schon einmal in der U-Bahn oder im Café alleine gelacht und dafür irritierte [um nicht zu sagen, beängstigte] Blicke geerntet hat, kann nachvollziehen, warum! 😉

Lachen3Lachen ist demnach nicht nur ein physiologischer Prozess, sondern auch soziale Interaktion, eine Art der Kommunikation. So gibt es laut Provine sogar eine „Hierarchie“ des Lachens: Sprecher lachen 1,5x häufiger als Zuhörer, Untergebene lachen öfter als Vorgesetzte. Dass Lachen außerdem ansteckend wirkt, ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Lachen ein Mittel der Beziehungsgestaltung sein kann. Ein Grund mehr also, sich aus der Isolation [etwa jener vorm Computerbildschirm] hinaus in eine Gruppe lebender, atmender, redender Menschen zu begeben.

[Klein-]Kindern scheint Lachen noch leichter zu fallen – sie lachen nicht nur häufiger als Erwachsene, sondern sind auch schneller zu erheitern und verfügen über eine höhere emotionale Flexibilität [zwischen „Weltuntergangs-Stimmung“ und „Sich-schlapp-lachen“ liegen hier bekanntlich nur Sekunden]. Diese Flexibilität kann man sich jedoch zurück erobern – Momente des Ärgers, der Wut oder anderweitiger Verstimmtheit lassen sich nicht nur hervorragend durch Lachanfälle erleichtern [oder sogar auflösen], sondern bergen in vielen Fällen auch das Potential, unmittelbare Auslöser herzhaften Lachens zu sein [beispielsweise kann es wirklich erheiternd sein, sich während eines Streits mal aus der Vogelperspektive zu betrachten…!]. 😀

Doch was genau bringt uns nun eigentlich zum Lachen? Dieser Frage widmet sich die Gelotologie zwar intensiv, eindeutig geklärt ist sie jedoch [noch] nicht. Lachen kann eine Vielzahl unterschiedlichster Auslöser haben – vom aggressiven Akt des Auslachens über das nervöse Kichern in peinlichen Situationen bis hin zum ehrlich-freudigen, herzhaften Lachen gibt es alle Facetten. Wir können beispielsweise aus Freude lachen und aus Höflichkeit; über uns selbst und über andere; vor Erleichterung und vor Triumph. Das intensivste und sozial am wenigsten angepasste bzw. „abgeschwächte“ Lachen ist jedoch jenes, bei welchem sich die Mundwinkel symmetrisch nach oben ziehen und um die Augen herum Krähenfüße entstehen. Diese reinste Form des Lachens bewusst und willentlich zu erzeugen, ist hohe Kunst und gelingt kaum jemandem.

Lachen5Es trotzdem zu versuchen und regelmäßig zu lachen – als Übung für Körper und Geist – ist Ziel des sogenannten „Lach-Yogas“, entwickelt vom praktischen Arzt und Yogalehrer Dr. Madan Kataria. Bei dieser Form des Yoga, auch Hasya-Yoga genannt, steht das absichtslose Lachen im Vordergrund – über ein anfangs rein motorisch bewusst erzeugtes, künstliches Lachen soll der Praktizierende schließlich in echtes Lachen übergehen [ganz nach dem Motto „Fake it, until you make it„]. Es ist daher auch nicht zwingend nötig, Humor zu haben, um von den positiven Effekten des Lachens profitieren zu können.

Ich liebe es, herzhaft über etwas zu lachen – und da dies nicht jeden Tag gleichermaßen gut gelingt, habe ich mir ein kleines Lach-Ressourcen-Sammelsurium angelegt, also Videos, Texte oder erinnerte Situationen, über die ich auch beim 100. Mal noch richtig lachen kann. Einen meiner „Lachgaranten“ teile ich an dieser Stelle gerne mit dir. In diesem Sinne: Lach dich gesund! 🙂

Quellen/weiterführende Literatur: 

  • Artikel in der ZEIT von 22. April 2011
  • Artikel von William F. Fry über die „Kraft des Humors“ [übersetzt von Michael Titze]
  • LachYoga-Website von Dr. Madan Kataria
  • Studie zur Häufigkeit des Lachens: Martin RA, Kuiper NA: Daily occurence of laughter : Relationships with age, gender and type A personality. Humor: International Journal of Humor Research 1999; 12 (4): 355-84

P.S. Die Vertextung des Videos stammt vom österreichischen Satiremagazin „Die Tagespresse„.


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