[Sinn]terview #10: Lina

Hier nun das 10. [Sinn]terview!
Was genau das ist, erfahrt ihr hier!

Zur Person: Lina, 25 Jahre, Pädagogin

  1. Womit beschäftigst du dich aktuell, was interessiert dich gerade?
    „Zoom in ein Leben: Jahre, Zoom: Stunden, Minuten, Sekunden, Momente – wo hört es auf? Ich bin gerade damit beschäftigt, in jedes Fraktal meines Daseins Bewusstsein zu bringen. Tiefe Meditationen und berauschende Glücksgefühle, die mich überkommen können, sind fantastisch. (Bin generell sehr experimentierfreudig mit Ritualen, Praktiken, Übungen aller Art) – Doch momentan strebe ich ein wahrlich ganzheitliches Sein an, zu realisieren, dass ich es bereits bin und durch die gewisse Alltagstrance immer wieder vergesse. Ja, das alles mitten in der Großstadt! Ich arbeite Vollzeit mit Kindern unter drei Jahren, mache verschiedene Ausbildungen, bin auf Wohnungssuche und habe viele gute Gründe stets zu „tun und schaffen“. Eine tiefe Überzeugung, nach der ich lebe, heißt „Life is love in action“, also kommt es mir auf den Zustand an, in dem ich durch den Tag gehe. Gerade bei der Arbeit mit jungen Kindern ist diese gegenwärtige Haltung gewichtig.“
  2. Was ist dir in deinem Leben besonders wichtig?
    „Walk your talk. Ich habe aus gutem Grund einen menschlichen Körper in diesem Leben – I embody spirit. Ich möchte menschennahe leben und meinen Körper so vielseitig wie möglich einsetzen und benützen. Um zu halten, lachen, lieben, gestalten, wandern, bewegen, ausdrücken, gebären, fühlen. Ich nütze meinen Körper wie ein Barometer, das mir anzeigt, was gerade ansteht. Abgesehen davon ist mir Gemeinschaft enorm wichtig. Meine Kindheit habe ich in einer Lebens-, Güter-, Finanz-, und Glaubensgemeinschaft verbracht. Die Reichhaltigkeit, die entsteht, wenn Menschen sich gegenseitig unersetzbar begehren, habe ich mit ganzem Leib und ganzer Seele aufgesogen – und nach dem Exodus dann das krasse Gegenteil in der industriellen Gesellschaft gespürt. Das Leben zu teilen – tatsächlich, mit all den unzähligen Konsequenzen – ist etwas, wonach ich stets streben werde. Dies ist in zahllosen Varianten möglich: als junge Erwachsene lebte ich zwei Jahre in der Findhorn Foundation, einem Ökodorf mit spiritueller Gemeinschaft. Derzeit bin ich ganz „durchschnittlich“ in Wien ansässig. Mit dem Hintergedanken, die verschiedenen Werte und Herangehensweisen ans Leben, diesen enormen Input, den ich hatte, in mir zu vertiefen und zu beobachten, was daraus in mir entsteht. Außerdem habe ich mir Wien ausgesucht, um die Ausbildung zum Trainer, Coach sowie Lebens- und Sozialberatung zu absolvieren.“
  3. Wenn du dir die Erde in 100 Jahren vorstellst – was, glaubst du, wird sich im Vergleich zu heute ändern?
    „Ich steh ja absolut auf post-apokalyptische Fiktion. Egal welches Szenario: Großteil der Menschheit stirbt, für den Rest heißt es quasi „back to the roots“, in Einfachheit und naturgebunden leben mit so manchem technischen Schnick-Schnack. Aber nun realistischer gesehen: Ich glaube, dass immer mehr Lebewesen, die als Mittel zum Zweck fungieren, den Gedanken: „Ich bin nicht auf der Erde, um nur dies zu tun“ in die Tat umsetzen. Daraus könnte Großartiges entstehen. Herrschende Paradigmen werden sich komplett ändern, weil sie es müssen, und Konzepte wie Gift Economy, Direkte Demokratie sowie neue Technologien der Landwirtschaft und Medizin bekommen eine Chance. Magnetautos, 3-D Telepräsenz, organisches 3-D-Drucken, fliegende Menschen, intelligente Computer – und in Nanotechnologie-bezogene Aktien am besten jetzt gleich investieren.“ 😉
  4. Angenommen, heute Abend beim einschlafen kannst du dir etwas wünschen, das über Nacht in Erfüllung geht – was wäre es?
    „Ich würde mir ein schnelles, komplettes Changeover der Denkweise aller Menschen über Beziehungen wünschen. Nämlich, dass Intimität als üblicher Austausch zwischen Menschen gilt. Dass Intimität in der Allgemeinheit auf nicht exklusive Beziehungen beschränkt wird. Sorry an alle Disney-Fans, es gäbe dann auch keinen „The One“ mehr. Es würde diesbezüglich reichlich Transparenz, höhere Selbstreflexion aller Individuen herrschen. Menschen lieben Menschen – für Sekunden, Stunden, Jahre, Leben – warum so eng an herkömmlichen Traditionen festhalten? Warum nur mit einem einzigen Menschen Liebe „machen dürfen“?“
  5. Wenn du dich selbst am Tag deiner Geburt besuchen könntest – welchen Rat würdest du dir mit auf den Weg geben?
    „Es ist wie es ist. Es wird Fantastisches geschehen. Tu das, wovor du am meisten Angst hast, und du wirst merken, dass es eigentlich etwas anderes war. Alles ist gut.“
  6. Stell dir vor, du blickst mit 120 Jahren auf dein Leben zurück – was würde dir das Gefühl geben, dass dein Leben sinnerfüllt war?
    „Ein vielköpfiges Familienfoto, auf dem ich in letzter Reihe alt und und grau als Uroma sitze, hängt im Zimmer eines Neugeborenen. Im Nebenzimmer steht ein dickes Album mit Fotos, die zeigen, dass ich die Verschiedenheit der Welt gekostet und aufgesogen habe und dabei in intensivem Kontakt mit meinen Mitmenschen war. Verziert mit handgeschriebenen, weisen Worten, die ich im hohen Alter so von mir gegeben habe. Das Album wird nur selten angeschaut, es sind verblassende Erinnerungen, die aufbauend wirken – jetzt kommt der Nächste dran, zu leben!

One comment

  1. Sehr schönes Interview!
    Der Mensch ist ein Herdentier mit individuellen Freiheitsansprüchen, leider teilen wir das Schicksal vieler anderer Lebewesen – wir fristen unser Dasein in nicht artgerechter Haltung! Junge Leute wie Lina geben Hoffnung, dass sich das ändern wird!

    Gefällt 1 Person

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