Bundespräsidentenwahl 2016

Dieser Blogeintrag ist etwas anders als die anderen. Er bezieht sich ausnahmsweise auf ein tagesaktuelles Geschehen, nämlich die Bundespräsidentenwahl 2016 in Österreich.

Am Sonntag, den 22.5.2016, ist es soweit: in Österreich wird ein neuer Bundespräsident gewählt. Es war und ist ein Wahlkampf, der in Erinnerung bleiben wird und der es geschafft hat, eine lange nicht mehr dagewesene Spaltung in zwei Lager hervorzurufen – „Links“ und „Rechts“. Wir beobachten diese Wahl nun seit Wochen mit Bedauern – und zwar, weil zu viele Menschen das Wort Wahl-Kampf wörtlich nehmen und es nahezu unmöglich scheint, einen wertschätzenden und konstruktiven Diskurs zu führen.

Ein Mensch ist nicht automatisch „böse“, wenn er Hofer wählt und auch nicht automatisch ein „Gutmensch“, wenn er Van der Bellen wählt. Er ist auch nicht „feige“ oder „Ja-Sager“, wenn er gar nicht wählen geht. Was wir vermissen, ist gelebte Akzeptanz – und zwar nicht jene hochglanzpolierte „Akzeptanz“, die manche VdB-WählerInnen predigen, und auch nicht jene blinde, unreflektierte „Akzeptanz“, die einige Hofer-WählerInnen fürchten, sondern eine Akzeptanz, die aus dem Herzen kommt, die sich auszeichnet durch aufrichtiges Interesse, ehrliche Wertschätzung und einen respektvollen Umgang miteinander.

Wir sind viel zu schnell mit unseren Urteilen, unseren Negativzuschreibungen und unserer Hetze – in beide Richtungen. Jeder Mensch trifft bei dieser Wahl die für ihn richtige Entscheidung – sei dies VdB, Hofer oder keiner der beiden Kandidaten. Kannst Du wirklich wissen, wie Du wählen würdest, wenn Du im Leben und in der Haut Deines Gegenübers stecken würdest?

Wir wählen Alexander Van der Bellen, weil er uns als die „richtige“ Entscheidung erscheint – resultierend daraus, wie und mit welchen Personen wir aufgewachsen sind; welche Erfahrungen wir machen durften oder zum Glück nie machen mussten; welches Wissen wir in unserer Ausbildung mitbekommen haben; welche Bücher wir gelesen haben; welche Werte uns wichtig sind; welche Zukunft uns attraktiv erscheint, kurz: resultierend aus all dem, was wir (derzeit) sind. Ob dies auch die „richtige“ Wahl auf lange Zeit und gar für das ganze Land wäre, wissen wir nicht – niemand kann das wissen. Wir wissen nicht einmal, ob es überhaupt relevant ist, was bei dieser Wahl geschieht – relevant für uns persönlich, für uns als Gesellschaft, für die Menschheit, für die gesamte Existenz im Universum.

Was wir jedoch wissen ist, dass wir Menschlichkeit, Mitgefühl und Toleranz leben möchten und uns eine Zukunft wünschen, in der Menschen unterschiedlichster Herkunft, Gesinnung, Interessen, unterschiedlichsten Alters und Geschlechts, etc. friedvoll und harmonisch miteinander auf diesem Planeten leben können. Wir werden diesen Wahltag mit Freunden verbringen, von denen ein paar anders wählen als wir. Die so wählen, wie es ihnen richtig erscheint, resultierend aus ihren Erfahrungen, ihrem soziokulturellen Hintergrund, ihrem Wissen, ihren Werten. Und obwohl uns das unterscheidet, sind wir liebevoll verbunden und können gemeinsam eine schöne Zeit verbringen.

Das heißt nicht, dass man sich nicht für etwas einsetzen kann, das einem wichtig erscheint! Ja, man kann seine Meinung vertreten, sich darüber austauschen, eigene Werte können dabei verletzt werden und es kann emotional werden. Aber jemanden zu verurteilen, der anders denkt, ohne seinen Weg gegangen zu sein und ohne sein Schicksal zu kennen, ist weit entfernt von Verständnis und Mitgefühl und fördert die Trennung und Spaltung weiter – und davon kannst Du Dich auch durch Deine vermeintlich „richtige“ Wahl am Sonntag nicht reinwaschen. Für Deine Taten, Deine Worte und Deine Gedanken bist allein Du verantwortlich – Du allein entscheidest, ob Du verbindend oder trennend,  liebend oder hassend, konstruktiv oder destruktiv wirken möchtest.

Wir gratulieren Dir, dass Du am Wahltag die für Dich richtige Entscheidung triffst und auch bereit bist, mit allen Konsequenzen Deiner Entscheidung zu leben und Verantwortung dafür zu übernehmen. Wir freuen uns, wenn Du – unabhängig von Deiner politischen Entscheidung – Dein Herz öffnest, auch und gerade für jene, die anders sind als Du, und so einen kleinen, aber dennoch wichtigen Beitrag zu einer friedlicheren Welt lieferst.

„Mit einer geballten Faust kann man keinen Händedruck wechseln.“ – Indira Gandhi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s