Floaten: Samadhi im Tank

„Wenn das Zur-Ruhe-Kommen (vritti-nirodha) mit Hilfe von logischem Denken, prüfender Überlegung, Seligkeit oder Ichbewußtsein erlangt wird, führt es zu verschiedenen Arten der Versenkung (samadhi), die mit Erkenntnis verbunden ist (samprajnata).“ Patanjali, Yogasutra 1,17

Entwicklung und Definition des Samadhi-Tanks

Floaten 51954 entwickelte der amerikanische Neurophysiologe und Bewusstseinsforscher John C. Lilly die erste Floating-Anlage, da er eine Forschung zum Thema „Sensorische Deprivation“ durchführte.

Der Samadhi-Tank (auch Isolationstank, Floatingtank oder Deprivationstank genannt) ist eine Art Badewanne in einer geschlossenen Box, welche sowohl gegen Licht als auch Geräusche abgeschottet ist. Das 25 cm tiefe Wasser im Tank hat Körpertemperatur und ist stark mit Salz angereichert: auf 500l Wasser kommen etwa 350kg Salz. Ein Versinken ist daher unmöglich, man schwebt auf der Oberfläche, ähnlich wie im Toten Meer – dies wird auch „Floaten“ genannt. Dieses Schweben in einer Flüssigkeit, welche die selbe Temperatur hat wie der eigene Körper, führt dazu, dass man das Gefühl für die eigene Körpergrenze verliert. Durch die Abschottung von Licht und Ton kommt es weiters zur sensorischen Deprivation: Die Sinnesorgane erhalten keinerlei Reiz von außen und schließlich wendet sich das Bewusstsein ins Innere. Geräusche innerhalb des Körpers, wie etwa der Herzschlag, werden wahrgenommen und können unnatürlich laut erscheinen.

Gereinigt wird das Wasser durch ein chemisches und mechanisches Filtersystem. Manche Tanks haben auch Lautsprecher innen angebracht, um auf Wunsch bestimmte Klänge einspielen zu können.

Was bedeutet „Samadhi“?

TM InterviewSamadhi ist der Begriff aus dem Sanskrit für einen bestimmten Bewusstseinszustand, der sich von jenem des Wachens und Schlafens unterscheidet. Er bedeutet Vereinigung, Erfüllung, Vollendung und meint ein völliges Versinken in sich selbst. Das diskursive Denken hört auf, es kehrt vollkommene Ruhe ein. In der Bhagavad-Gita unterscheidet Yogananda drei Stufen von Samadhi: Jada Samadhi, eine unbewusste Trance, welche spirituell nutzlos ist; Savikalpa Samadhi, bei welchem der Körper in Trance ruht, der Geist jedoch aufnahmefähig für die Erfahrungswelten im Inneren bleibt und Nirvikalpa Samadhi, bei welcher ein Einheitsbewusstsein von Körper, Geist und Seele erlangt wird. Es bezeichnet zugleich die höchste Stufe des Yoga-Weges.

Ablauf

Der Einstieg in den Tank erfolgt über eine Luke, welche mit einem Hebel geöffnet und geschlossen werden kann. Der Tank selbst steht meist in einem Ruheraum, in welchem man vorher und nachher die Gelegenheit hat, zu meditieren und/oder zu ruhen. Oft gibt es auch Literatur oder eine Dusche direkt im Zimmer. Es ist auch möglich, während des Bades im Tank die Luke offen zu lassen, wodurch etwas Licht hinein gelangt – gerade am Anfang kann die sensorische Deprivation für manche Menschen ein befremdliches oder unbehagliches Gefühl sein. Das sanfte Licht von Kerzen eignet sich hier sehr gut, um die Gewöhnung an den Tank zu erleichtern.

Falls man Psoriasis (Schuppenflechte) oder kleinere Kratzer hat, kann das Salzwasser anfangs für ein paar Minuten auf der Haut brennen. Dies hört rasch auf und das Wasser wirkt dann sehr heilsam und reinigend auf die Haut.

Da man im Tank das Zeitgefühl verliert, ist es durchaus üblich, sich nach einer bestimmten Zeit sanft herausklopfen zu lassen oder überhaupt eine zweite Person, welche im Ruheraum wartet, mitzunehmen.

Zu beachten ist, dass Floaten nicht erlaubt/ratsam ist für Personen mit Epilepsie, ansteckenden infektiösen Erkrankungen (grippaler Infekt, Fußpilz, etc.), offene Wunden, reduzierter Nierentätigkeit, psychischen Störungen, Suizidalität oder Klaustrophobie. Für Frauen ist ein Tankbesuch während der Menstruation nicht geeignet. Weiters wird dringend vom Konsum jedweder Drogen vor einer Tanksitzung abgeraten.

Wirkung des Floatens

Floaten 6Neben einem intensiven Entspannungseffekt durch das subjektiv empfundene Auflösen der eigenen Grenzen und dem wohligen Schweben im körperwarmen Wasser gibt es noch eine Reihe anderer Wahrnehmungs- und Erlebnisebenen beim Floaten. Wichtig zu erwähnen ist, dass es oft mehrere Tank-Sitzungen braucht, um in die „höheren“ Bewusstseinszustände vorzudringen (abhängig von Vorerfahrung mit meditativen Techniken kann es bei dem einen schneller, beim anderen langsamer gehen). Eine offene und erwartungsfreie Haltung ist jedenfalls ratsam. Gerade auch bei körperlichen Leiden wie etwa Verspannungen oder Rückenschmerzen kann Floaten sehr wirksam und heilend sein. Auch psychischer Stress lässt sich sehr gut durch eine Tanksitzung abbauen.

Lilly beschreibt 5 Wahrnehmungsstufen im Tank:

  • Konzentration auf das Körperempfinden
  • Abschweifen der Gedanken
  • Entspannung und Loslösung
  • Traumhaftes Stadium
  • Projektion visueller Bildwelten (Halluzinationen)

Bei fortgeschrittener Übung mit dem Tank kann man schließlich die Erfahrung von Samadhi – dem Einheitsbewusstsein – machen. Dabei trennt sich das Bewusstsein vom Körper und seinen Empfindungen, wird frei von irdisch-menschlichen Verhaftungen und kann sich durch Zeit und Raum bewegen. Ein Gefühl des Eins-Seins mit belebten (Pflanzen, Tieren, etc.) und sogar unbelebten Dingen (Steine, Berge, etc.) stellt sich ein und es kann eine Bewusstseins-Reise in ferne Welten unternommen werden (astrale Ebene). Dieses Erleben ist verbunden mit tiefer Freude, Einsicht, Stille und Liebe.

(Persönliche) Erfahrungen

Floaten 3Im Zuge einer wissenschaftlichen Erforschung der Heilkraft des Wassers an der Universität Wien hat Harald selbst bisher drei Floating-Sitzungen in der Sargfabrik Wien gemacht und dabei einige interessante Dinge wahrgenommen. Die erste Sitzung dauerte dabei 1,5h und die beiden anderen je 2h. Bei den ersten beiden Malen schlief Harry im Tank ein (ein häufiges Phänomen) – interessant war, dass er beim zweiten Mal bewusst drauf geachtet hatte, nicht einzuschlafen und bis zum Heraussteigen aus dem Tank davon überzeugt war, durchgehend wach gewesen zu sein. Seine Begleitung, welche im Ruheraum wartete, berichtete ihm dann allerdings von „eindeutigen akustischen Hinweisen“ einer längeren Schlafphase. 😉 Bei allen drei Malen erlebte er einen vollkommenen Verlust des Zeitgefühls. Neben einem körperlichen Entspannungs- und Heilungseffekt (einmal starker Muskelkater, einmal Rückenschmerzen) erlebte er beim zweiten und dritten Mal sowohl akustische wie auch optische Halluzinationen. So hörte er mehrfach ein lautes „Knacksen“ direkt an seinem linken Ohr, welches seine Begleitung nicht vernahm. Ein ganzer Strom an Bildern und „blitzartigen“ optischen Eindrücken füllte den Tank. Weiters erlebte er eine Art „Bewegungs-Halluzination“: Er hatte eine Weile das Gefühl, er würde sich wieder und wieder um seine linke Achse drehen. Bisher hat Harry klar den Eindruck, dass sich die Floating-Erfahrung mit jedem weiteren Mal verändert und das Bewusstsein sich immer rascher an den Deprivations-Zustand gewöhnt.

Floaten 4Ein anderer Erfahrungsbericht stammt von einem jungen Mann mit starken Selbstwertproblemen. Im Tank erlebte er ein intensives inneres Wiederholen der Sätze „Ich bin ein Versager, ich schaffe nichts, ich bin ein Versager, ich schaffe nichts…“ – dies fühlte sich so an, als hätten sich die Gedanken selbständig gemacht, es waren keine „bewusst“ gedachten Sätze. Plötzlich hörte er (akustisch außerhalb seines Körpers) laut und mächtig eine tiefe Stimme, die „STOPP“ sagte. Danach kehrte vollkommene Stille in seinem Inneren ein und ein tiefer Entspannungsprozess begann.

Interessant ist bei Erfahrungsberichten über Floating, dass immer wieder vom Gefühl der Leere und des Nichts gesprochen wird – auch die Grenze zwischen Wachen und Schlafen verschwimmt bei sehr vielen Menschen (wie auch bei Harry).

Folgende drei Erfahrungsberichte stammen aus John C. Lillys Buch „Das Tiefe Selbst“:

Joan Grof:

”Ich ging mit der Vorahnung in den Tank, daß Verschiedenes passieren würde: klaustrophobische Panik oder abgeleitete Erfahrungsformen, d.h. Schläfrigkeit und dann Visionen. Nichts davon trat ein. Stattdessen fühlte ich mich pudelwohl, als ob dies der Platz war, an dem ich immer sein wollte (totale Ruhe, Dunkelheit und Fluidität). Ich verlor die Körperbegrenzungen und das Zeitgefühl, löste mich plötzlich auf und erfuhr vollkommenen Frieden und das Gefühl, mit allem eins zu sein. Diese Erfahrung änderte sich nie; ich spielte auch nicht mit ihr. Ich verhielt mich sehr passiv und überließ ”es” sich selbst. Ich machte die Erfahrung ständiger Leere, die nicht langweilig war, obgleich es nichts darin gab, außer absoluter Fülle.”

Stanislav Grof:

Floaten 1”Nach ungefähr fünf Minuten verlangsamte sich die Zeit enorm. Die Stabilität nahm zu, ebenso die innere Ruhe und etwas, was ich ”anorganische Bewußtseinsqualität” nennen möchte – die sich von ihren biologischen Charakteristika losmacht. Ich erlebe die Atmosphäre des alten Ägypten und werde mir seiner Religion, Philosophie und Kunst bewußt. Ich bekomme Einsichten in den Hergang der Mumifizierung; ich werde zur Mumie und erlebe das dafür typische Bewußtsein. Ich verstehe es als ein Vehikel, um zwischen den Sphären zu verkehren (organisch – anorganisch). Materie – Geist. Ich komme in die Sphäre, wo die Einweihung in den Pyramiden vollzogen wird, und fühle, daß es zwischen einer Mumie und einem Eingeweihten im Sarkophag eine Parallele gibt. Der Granit rückt in mein Bewußtsein, wird Bewußtsein. Ich verstehe plötzlich, daß die Vorliebe für Granit darauf beruhte, daß man den damit verbundenen Bewußtseinszustand schätzte. Veränderungen passieren im Maßstab von Abertausenden und Millionen Jahren (im Vergleich zu Sekunden und Minuten für biologische Formen). Mir kommt eine alte Erkenntnis: Die Granitstatuen sind die Gottheiten, nicht deren Abbilder. Komme in absolute Leere (die Erfahrung des Bewußtseins des interstellaren Raums). Zeitlosigkeit. Kein Unterschied zwischen Minuten und Jahrmillionen. Am Ende fühle ich mich regeneriert, gereinigt, erfrischt, verjüngt und ganz klar.”

Henry Gellis:

”Das Gefühl im Samadhi-Tank war von Beginn an großartig; ich fühlte mich sicher und wohl. Ich wollte meinen Körper in die Mitte verlagern, um nicht mit meinen Extremitäten an den Seitenwänden anzukommen. Zuerst war es etwas schwierig, die Position zu halten. Ich merkte, daß Salzwasser in meine Augen gekommen war und mein Kopf zu weit nach hinten lag. Fast alle meine Visionen hatten dunkle Farben – die Bergzüge und Täler des Malibu Canyon an einem bewölkten Tag. Ich wollte sie etwas aufhellen, aber es ging nicht. Dann fing ich an, das OM zu sprechen, immer wieder OM, bis das Echo durch den ganzen Tank hallte. Der Klang des OM war sogar in meinem Rückgrat, wo er auf und ab stieg, weil ich ihn mit meiner Atmung koordinierte. Am Anfang hatte das OM eine tiefe Resonanz, woraus schließlich ein sehr hoher Ton wurde, wie wenn ein Raumschiff abhebt. Fast wäre ich damit aufgestiegen, aber es ging nicht. Danach sprach ich mein OM so leise, daß ich nur noch mein Atmen hörte. Ich fing an, jedes Einatmen und Ausatmen in kleine Abschnitte zu gliedern. Ein Mal tief Luft holen bestand aus mehr als fünfzig kurzen Einatmungen. Ich merkte, wie in meinem Rückgrat die Energie aufstieg. Dann hielt ich die Luft eine Zeitlang an. Schließlich ließ ich die Energie mein Rückgrat wieder hinunterfließen, indem ich mehr als fünfzig Mal kurz ausatmete. Nach ein paar Stunden [Anmerkung: Hinweis auf verzerrte Zeitwahrnehmung] hatte ich es anscheinend geschafft. Ich atmete wieder tief ein. Ich war ein Raumschiff – mit jedem Ausatmen hielt ich an und erkundete die Sterne, und mit jedem Mal Einatmen schwebte, flotierte ich weiter durchs All. Was ich sah, gefiel mir, aber ich war noch immer nicht eins mit den Sternen. Ich freue mich schon darauf.”


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Weiterführendes:
  • Hutchison, Michael: „The Book of Floating – Exploring the Private Sea“ (1984), Gateway Books & Tapes, Nevada
  • Lilly, John C. & Gold, E.J.: ”Tanks for the Memories – Floatation Tank Talks“ (1995), Gateways
  • Lilly, John C.: „Das Tiefe Selbst“ (1988), Sphinx Verlag, Basel
  • Homepage der Sargfabrik: Floaten im Samadhi-Tank in Wien
  • Samadhi auf Wikipedia
  • Floating auf Wikipedia

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