Das Große und das Kleine

Das Große und das Kleine

Sind deine Probleme mal wieder überwältigend groß? Erscheinen sie dir unüberwindbar? Üben sie Macht auf dich aus und halten dich fest mit eiserner Faust?

Dann mach mit uns eine Reise, durch Nebel und Ringe hindurch, durch Haufen und Leerräume, an Andromeda vorbei und noch weiter hinaus in die Weiten des Weltalls…

Nimm dein schlimmstes und größtes Problem her. Lass dich für kurze Zeit darauf ein und lass es seine volle Kraft entfalten. Dann wende deinen Blick vom Problem ab und schau für einen Moment aus dem Fenster auf den Himmel. Du siehst den selben Himmel wie alle Menschen in deinem Land. In Österreich sind das derzeit 8,7 Mio. Einwohner – wieviele von diesen 8,7 Mio. Menschen haben wohl gerade auch ein Problem, das unüberwindbar scheint? Wieviele haben gerade jetzt in diesem Moment ein Problem, das sogar noch schlimmer und größer ist als deines? Der ein oder andere von ihnen blickt vielleicht auch gerade auf den Himmel und fragt sich, wie es weitergehen soll. Mach den Blick noch weiter – mehr als 742 Mio. Menschen leben derzeit in Europa… wieviele von ihnen wohl gerade jetzt traurig, überfordert, gestresst, verärgert, verzweifelt sind? Es sind Tausende und Abertausende – du bist mit deinem Problem nicht alleine, auch wenn es sich manchmal so anfühlt…

Packe nun ein paar Habseligkeiten in einen Rucksack, denn wir sind soeben mit unserem Raumschiff „Hope“ vor deiner Türe gelandet, um dich abzuholen. Du steigst ein und setzt dich auf den für dich vorgesehenen Platz – direkt an einem großen Panoramafenster, damit du auch alles gut sehen kannst. Mit ohrenbetäubendem Getöse startet unser Raumschiff und steigt zuerst langsam, dann schneller in die Höhe. Du siehst, wie dein Heimatort unter dir immer kleiner wird, erspähst bald die Grenzen deines Landes, irgendwo rücken vielleicht Gewässer, Gebirge und größere Landflächen in grün, ocker oder braun in den Blick. Wir steigen immer höher und bald kannst du die Meere erkennen, wie sie zwischen den einzelnen Kontinenten hin und her wiegen und seit Urzeiten dort unten ruhen. Und weiter geht es, weiter hinauf, dem Rand unserer Atmosphäre entgegen. Du brauchst keine Angst zu haben, die „Hope“ ist das fortschrittlichste Raumschiff, das es gibt. Schließlich sind wir so hoch oben, dass du den gesamten Erdball vor dir, unter dir, sehen kannst – ein blauer Planet, der sich langsam dreht und 7,4 Milliarden Menschen und ca. einer Trillion (1.000.000.000.000.000.000) Tieren Heimat bietet.

Weltall 1

Wir nehmen Kurs auf die Sonne – mit herkömmlichen Raketentriebwerken würden wir ca. 2 Jahre brauchen, bis wir dort wären. Die „Hope“ ist jedoch kein herkömmliches Raumschiff, sie wird mit Gedankenkraft angetrieben und so sind wir bereits nach wenigen Minuten dort. Dieser gigantische, feurige Stern bildet das Zentrum unseres Sonnensystems; die Erde ist nur einer von 8 (bzw. angenommenen 9) Planeten in diesem System. Seit Äonen umkreisen diese Planeten die Sonne, das Alter unseres Sonnensystems wird auf 4,6 Jahrmilliarden geschätzt. Wir bleiben für einen Moment vor der Sonne stehen und staunen über diesen Anblick: wie gigantisch dieser Lebensspender doch ist!

Unsere Sonne

Genau wie unser Sonnensystem ein Stern-System ist, so gibt es viele weitere Stern-Systeme. Das uns am nächsten gelegene ist Alpha Centauri. Wir nehmen Fahrt auf und werden noch schneller, sonst würde die Reise dorthin zu lange dauern (mit herkömmlichen Raketen ca. 77.000 Jahre).

Wir fliegen an vielen kleineren Teilen vorbei, die durch die Schwerelosigkeit treiben, hier und da entdecken wir dunkle Stellen, wo scheinbar nichts ist. Wir brauchen noch ein wenig, bis wir Alpha Centauri erreichen. Möchtest du was trinken? Hier bitte, es soll dir nicht an Komfort mangeln. Schließlich ragt vor uns Alpha Centauri A auf, einer von zwei Sternen, die in diesem System herrschen. Alpha Centauri A ist noch größer und beeindruckender als unsere Sonne mit einem geschätzten Alter von 6,5 Milliarden Jahren. Blicken wir doch einmal zurück und sehen, ob wir unsere eigene Sonne irgendwo erspähen können:

Weltall 7
Screenshot aus Celestia, von FrancescoA

Tatsächlich! Sieh doch, da wo der rote Pfeil ist, liegt unsere Sonne… Gerade war sie noch riesengroß, und jetzt liegt sie klein und bescheiden vor uns… Ist das nicht erstaunlich?

Unsere Reise ist noch nicht zu Ende. Wir machen uns wieder auf den Weg und fliegen an den Rand des Alpha Centauri Systems, vorbei an beiden Sternen und hinaus ins dunkle Weltall. Unser Ziel: Der Rand der Milchstraße, unserer Mutter-Galaxie, die die Sonne, Alpha Centauri A & B, sowie 100-300 Milliarden (!) weitere Sterne beheimatet. Das Licht benötigt vom einen Ende der Milchstraße zum anderen 100.000 Jahre – und Licht bewegt sich pro Sekunde etwa 300.000 Kilometer weit… Kannst du dir vorstellen, wie unfassbar weit das schon ist? Im Zentrum unserer Milchstraße liegt nicht etwa unser Sonnensystem, sondern ein gigantisches Schwarzes Loch mit der Masse von 4,3 Millionen Sonnen. Sämtliche Planeten und Sterne, die im sogenannten „Ereignishorizont“ (Event Horizon) eines Schwarzen Lochs liegen, werden ohne Chance auf Rettung davon angezogen und schließlich „verschluckt“. Unser Sonnensystem und somit die Erde liegen außerhalb dieses Wirkungsbereiches, uns droht daher erst mal keine unmittelbare Gefahr durch das Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie. Puh, nochmal Glück gehabt!

Weltall 6

Die Milchstraße hat ein paar Begleiter, damit sie nicht so einsam ist, da draußen in den Tiefen des Weltalls. Zwei ihrer Begleiter sind die große und die kleine Magellansche Wolke. Für uns Menschen würden die beiden wohl nicht mehr als unmittelbare „Nachbarn“ durchgehen, immerhin benötigt das Licht von der Milchstraße dorthin 165.000 Lichtjahre! Doch für das Universum gelten andere Maßstäbe – da ist das ein Katzensprung. Wenn der Milchstraße also die Milch ausgeht, kann sie an die Türe der Magellanschen Wolke klopfen und ein Schwätzchen unter Nachbarn halten.

Weltall 5Nun, selbst die Milchstraße mit ihren Millionen von Sternen, ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. So wie die Milchstraße gibt es noch weitere Galaxien im Universum. Die nächste uns bekannte Galaxie ist Andromeda, welche von uns ca. 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt ist. Wir fliegen jetzt dorthin. Wir haben jetzt Zeit, etwas zu essen. Hast du Hunger? Unser Nahrungs-Replikator kann dir alles zubereiten, was du möchtest, such dir einfach etwas aus. Es soll uns doch niemand nachsagen, wir würden unsere Gäste hungern lassen… Beide Galaxien, Andromeda und Milchstraße sind Teil der „Lokalen Gruppe„, die 60-70 Galaxien umfasst und einen Durchmesser von 5-8 Millionen Lichtjahren hat. Wenn du also an einem Ende der lokalen Gruppe mit der Taschenlampe SOS leuchtest, kommt dein Hilferuf erst nach 5-8 Millionen Jahren am anderen Ende an. Im Notfall musst du hier also selbst schauen, wie du dir helfen kannst.

Geht es noch, oder ist dir schon schwindlig? Du scheinst einiges aushalten zu können, wenn du es bis hierher geschafft hast. Daher setzen wir noch eins drauf: Die lokale Gruppe selbst ist wieder nur ein Bestandteil von etwas noch größerem: dem Virgo-Superhaufen. Der Virgo-Superhaufen enthält etwa 100-200 Galaxienhaufen (also so was wie unsere lokale Gruppe). Das Zentrum des Virgo-Superhaufens ist der Virgo-Galaxienhaufen, der etwa 2.000 Galaxien beheimatet. Und auch der Virgo-Superhaufen ist wieder ein Teil von etwas noch Mächtigerem: dem Laniakea-Superhaufen, der neben der Milchstraßen-Galaxie noch etwa 100.000 Galaxien umfasst.

Weltall 4Derzeitigen Schätzungen nach gibt es derzeit 130 solcher Superhaufen, welche eine Art „Wabenstruktur“ im Universum bilden. Dies ist die – aus heutiger Sicht – größte bekannte Struktur im Universum. Zwischen diesen Superhaufen ist: nichts. Einfach nichts. Diese Leerräume werden Voids genannt.

So, jetzt noch mal ganz langsam, zum Verdauen: Es gibt Superhaufen, welche eine Ansammlung von Galaxienhaufen sind, die wiederum eine Ansammlung von Galaxien sind (wie etwa unsere Milchstraße eine ist), welche wiederum mehrere Stern-Systeme umfasst (wie unser Sonnensystem).

Jetzt komm noch mal ganz nah ran ans Panorama-Fenster unserer Hope. Komm, wir möchten dir was zeigen. Schau dort vorne hin. Dort, in diese eine Wabe da, wo unser Superhaufen liegt. Versuche, irgendwo in weiter, weiter Ferne unsere Milchstraße, unser Sonnensystem und darin die Erde zu erahnen. Du kannst sie nicht sehen, aber du kannst sie dir vorstellen. Und dort, auf der Erde, ist irgendwo dein Land, dein Heimatort, dein Zuhause. Und dort, in diesem Zuhause, sitzt ein kleines Problem und wartet darauf, dass sich einer von 7,4 Milliarden Menschen auf dem Planeten Erde den Kopf um es zerbricht.

Wir bringen dich nun sicher nach Hause, lieber Freund. Ist es nicht ein kosmisches Wunder, dass wir existieren, dort unten auf diesem winzigen Planeten, in diesem kleinen Sonnensystem? Wenn dich ein Problem das nächste Mal nerven und piesaken will, dann nimm dir einen Moment, tritt ans Fenster und wende deinen Blick hinauf Richtung Himmel. Erinnere dich…

Weltall 2

 

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