Warum manche Gespräche besser werden, wenn du die Klappe hältst

Ihr diskutiert schon so lange, dass du gar nicht mehr weißt, worüber? Es sind bereits Stunden vergangen, aber ihr seid immer noch keinen Schritt weiter gekommen? Oder ihr seid bereits an dem Punkt, wo gar nichts mehr gesagt wird und jeder nur stumm in irgendeine Ecke starrt?

Aber über Probleme soll man doch reden, heißt es immer? Ja, das stimmt auch – mit dem Ziel, das Verständnis füreinander zu erhöhen. Für so ein konstruktives Gespräch braucht es allerdings ein paar Zutaten. Allzu oft aber führt „miteinander reden“ dazu, dass Dinge gesagt werden, die man später bereut, die Fronten sich verhärten und das Gefühl des Unverständnisses steigt. Dann denkst du vielleicht: „Jetzt hab ich es doch eh schon auf zehn verschiedene Weisen versucht, und er/sie kapiert es immer noch nicht!“ klappe-halten00001Dann verkrampft sich der Körper, die Gedanken blockieren und der emotionale Druck steigt. Wenn du das nächste Mal merkst, dass das Gespräch falsch abbiegt, halt am besten sofort die Klappe und mach folgendes (am besten macht ihr es beide): Bewege dich! Schüttle dich! Geh eine Runde um den Häuserblock, an der frischen Luft den Kopf auslüften. Stockende Energie in Bewegung bringen. Tief durchatmen. Trefft euch dann wieder – in manchen Fällen (wo ihr sowieso nur aus einer „Laune“ heraus begonnen habt zu diskutieren) hat sich das Thema damit bereits erledigt. Und in den anderen Fällen habt ihr den Reset-Knopf gedrückt und könnt neu starten. Damit die zweite Runde besser wird, hier noch ein paar Tipps:

1. Zuhören

Und zwar richtig, mit Anschauen und viel Aufmerksamkeit. Mit Ausredenlassen. Mit Respekt davor, dass die Wahrheit des anderen genauso gültig ist wie deine – auch wenn dir das gerade nicht passt.

2. Nachdenken

Sprich nicht alles ungefiltert aus, was dir durch den Kopf schießt. Im Streit sind unsere Gedanken auf Konfrontation und Kampf gepolt – dir fallen daher deutlich mehr verletzende und zerstörerische Dinge ein – und auf. Glaub dir selber dabei nicht alles und bedenke: Was du jetzt in einer Sekunde des Zorns sagst, bleibt beim anderen mitunter für immer im Gedächtnis haften. Ist es das wirklich wert?

3. Bei dir bleiben

klappe-halten00002Hör auf mit „Du hast dies und das…“, „Du solltest dies und das…“. Bleib bei deinen eigenen Empfindungen – was verletzt dich und warum? Was wünschst du dir und warum? Was kriegst du für dein Glück nicht selber hin und verlangst es deshalb von jemand anderem? Übernimm die Verantwortung für deine Gefühle und Bedürfnisse.

4. Falschen Stolz runterschlucken

Zum Streiten gehören immer zwei. Du bist nicht das unschuldige, heilige Opfer, auch wenn dir das in dem Moment so vorkommt und du dafür die Hand ins Feuer legen würdest. Es gibt zu jeder Diskussion eine Vorgeschichte. Und an der bist du genauso beteiligt wie dein Gegenüber. Wenn du ganz ehrlich zu dir selbst bist, weißt du das tief in deinem Inneren auch. Es kann der Wendepunkt in einem Gespräch sein, wenn der „Ankläger“ eingesteht, dass er auch an dem Schlamassel beteiligt ist und bereit ist, gemeinsam an der Lösung zu arbeiten.

5. Erinnern

Im Streit zoomen wir mit unserem Fokus soweit in das Problemfeld hinein, dass wir außer dem Streit und dem Stress gar nichts mehr mitkriegen. Mach dir zwischendurch immer wieder bewusst, mit wem Du da eigentlich gerade streitest: Mit dem Partner, der mindestens 5 richtig tolle Eigenschaften besitzt, für die du ihn liebst. Mit deiner Schwester, die dich schon kennt, seit du klein bist. Mit deinem Vater, dem du – ob du das willst oder nicht – unfassbar viel zu verdanken hast. Mit deiner besten Freundin, die mit dir schon durch dick und dünn gegangen ist und mit der du tausend Mal öfter gelacht als gestritten hast.

Und ja, für alle die mich gut kennen: Ich bin da auch noch am Üben. 😉 Aber es wird leichter! Je öfter du es probierst, desto besser klappt es. Wenn sich daher der nächste Streit ankündigt, versuche zumindest einen der Punkte auszuprobieren und bemerke die Veränderung. Und dann probier einen zweiten. Und beobachte wieder. Und irgendwann wirst du darüber staunen, wie anders plötzlich deine Diskussionen ablaufen. Wieviel reifer und liebevoller sie geworden sind.

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