Das Leben der anderen – warum du aufhören solltest, dich zu vergleichen

Die meisten von uns tun es, den wenigsten von uns hilft es: Sich mit anderen zu vergleichen. Wir treffen jemanden und schon gibt es eine Reihe von Fragen, die in unserem Kopf herumgeistern und unsere Aufmerksamkeit einschränken: „Ist er erfolgreicher als ich?“, „Ist sie schöner als ich?“, „Wird er mehr respektiert als ich?“, „Wird sie mehr geliebt als ich?“… Aus den meisten vergleichenden Fragen ergeben sich unbefriedigende Antworten, da wir meistens jene Dinge vergleichen, die wir bei uns als Mangel empfinden! Beispiel: Stell dir vor, du bist gerade auf Urlaub, liegst vollkommen entspannt am Strand, genießt die sanfte Meeresbrise und alles ist friedlich, schön und wundervoll. In so einem Moment wirst du kaum auf die Idee kommen zu denken: „Ob der Urlauber da drüben wohl noch entspannter ist als ich?“

Das Gesamtbild betrachten

Sich zu vergleichen ist – bis auf zwei Ausnahmen, dazu später mehr – völlig sinnlos. Warum? das-leben-der-anderen-6Weil wir so gut wie nie das Gesamtbild vergleichen, sondern lediglich Teilaspekte, aus denen wir jedoch Frust, Leid und Missgunst in voller Größe ziehen. Gerade wir Frauen kennen das wohl alle: Es gibt immer diese eine Freundin oder Bekannte, die einfach wunderschön ist – perfekte Figur, strahlend weiße Zähne, leuchtende Augen, volles Haar, anziehende Art. Selbst im schlabbrigen Jogginganzug sieht sie umwerfend aus, während du vielleicht ein paar Kilo zu viel mit dir rumschleppst, deine Haare sich nach jedem Mal Bürsten dünner anfühlen und deine Zähne vom vielen Kaffeetrinken so gelb sind wie deine Augenringe dunkel. Vielleicht vergisst du sogar im hektischen Alltag, dass du momentan nicht in „Topform“ bist, doch spätestens, wenn du sie triffst, wird es dir schlagartig wieder bewusst und du empfindest dich im Vergleich zu ihr unattraktiv, abstoßend, langweilig. Deine Stimmung für den Tag ist dahin. Vielleicht denkst du sogar: „Was würde ich dafür geben, so auszusehen? Wieso kann ich nicht so aussehen wie sie?“

Doch diese Frau besteht nicht nur aus einem Körper: Zoome hinaus, betrachte auch andere Aspekte! Sie ist sehr attraktiv, ok. Aber wie steht es um ihre Beziehungen? Wie versteht sie sich mit ihrer Familie, hat sie einen Partner, wie ist das Verhältnis zu ihren Kindern (wenn sie welche hat)? Wie sieht ihre berufliche Situation aus? Und wie steht es um ihre psychische und physische Gesundheit? Selbst wenn du hier entgegen aller Wahrscheinlichkeit sagst: „Alles perfekt, in allen Belangen glücklich“ – wie sieht es dann mit der zeitlichen Komponente aus? Wie war ihre Vergangenheit, ihre Kindheit, gab es schwere Schicksalsschläge? Hatte sie Krankheiten, Herausforderungen, schwere Verluste zu meistern? Beneidest du sie um ihr gesamtes Leben, oder missgönnst du ihr lediglich die „Zuckerl“ darin?

das-leben-der-anderen-3Kein Mensch hat das perfekte Leben. Abgesehen von den paar Schlawinern, die genau jetzt das perfekte Leben haben. Aber auch hier sei nicht zu voreilig mit Neid und Missgunst. Du kannst niemals wissen, was auf dem Weg eines Menschen zukünftig noch für Prüfungen warten. Sei vorsichtig mit dem Wunsch, dein Leben gegen das eines anderen einzutauschen. Immer wieder muss ich an die Tochter von Bekannten denken: Strahlend, intelligent, aus gutem Hause, attraktiv, fröhlich, unbekümmert. Ein Mädchen, das bestimmt von vielen beneidet wurde, bis sie im Urlaub mit nicht mal 18 Jahren bei einem Autounfall tödlich verunglückte. Kein Mensch ist von der Geburt bis zum Tod durchgehend glücklich, schön, reich, gesund, geliebt, geschätzt, erfolgreich. Du nicht, und auch sonst niemand. Wenn wir beginnen, Menschen nicht nur anhand von Teilaspekten zu bewerten, sondern im Gesamtbild, hilft uns das, unser eigenes Leben mehr zu schätzen. Ja, du bist vielleicht nicht so erfolgreich wie dein früherer Studienkollege, dessen Karriere steil durch die Decke geht, während du als Angestellter grade mal so über die Runden kommst. Dafür hast du dich vielleicht kürzlich nicht zum x-ten Mal scheiden lassen, weil es niemand lange mit dir und deiner Lebensweise aushält. Und ja, du bist vielleicht nicht die heißeste Frau auf diesem Planeten. Dafür bist du aber vielleicht privat wirklich angekommen, hast eine liebevolle Familie, die dir Rückhalt und Geborgenheit gibt. Und ja, du bist vielleicht nicht so gesund und fit wie andere, dafür macht dir aber dein Beruf Spaß und bietet dir finanziellen Freiraum für alle Abenteuer, die dich reizen. Und selbst wenn gerade gar nichts richtig läuft: Das ist eine Momentaufnahme! Genauso wie der letzte, schöne Tag vor dem tragischen Unfall des 18-jährigen Mädchens eine Momentaufnahme war. Niemand kann wissen, was morgen geschieht und niemand hat das perfekte Leben für sich gepachtet. 

Wenn du dich schon unbedingt vergleichen musst, dann tu es zu deinem eigenen Seelenwohl in Form der folgenden zwei Varianten.

Vergleiche dich nach unten, nicht nach oben

das-leben-der-anderen-5Wie eingangs schon erwähnt, vergleichen sich viele Menschen leidenschaftlich gerne hinsichtlich ihrer persönlich empfundenen Schwachstellen. Sie vergleichen sich nach „oben“, schauen, wer reicher, schöner, besser, schneller ist. Das verstärkt das Gefühl des Mangels noch weiter und erzeugt – bis auf wenige Ausnahmen, bei denen das motivierend wirkt – bei den meisten nur Frust und Resignation.

Beginne, dich nach „unten“ zu vergleichen! Achte darauf, wie viele Menschen es gibt, die sich wünschen würden, dein Leben zu führen. Wie viele Menschen ärmer, kränker, einsamer, chancenloser, hungriger, erfolgloser, trauriger, gestresster, benachteiligter sind als du. Merke, wie viel mehr Menschen es gibt, denen es schlechter statt besser geht als dir. Spüre, wie daraus Wertschätzung, Dankbarkeit und Demut entsteht für das, was du hast.

Vergleiche dich mit dir selbst

das-leben-der-anderen-2Ein weiterer sinnvoller Vergleich ist jener mit dir selbst – und zwar in zwei Richtungen: Einmal der Vergleich zu deinem früheren Ich. Frage dich: „Bin ich reifer, liebevoller, klüger, entspannter, selbstsicherer, zufriedener, freier, wacher als früher?“ Wenn ja, weißt du, dass du am richtigen Weg bist und kannst dir anschauen, wie du das vollbracht hast. Wenn nein, dann vergleiche dich mit deinem späteren Ich, deiner Idealversion von dir selbst.  Frage dich: „Was ist nötig, um dorthin zu kommen? Was muss und was kann ich tun, um dieser Vorstellung von mir selbst näher zu kommen?“ Und dann setze erste Schritte und beginne mit deinem persönlichen Entwicklungsweg.

das-leben-der-anderen-4Am Ende aller Tage wird nicht wichtig sein, ob du der erfolgreichste, schönste, gesündeste und glücklichste Mensch des gesamten Planeten warst. Sondern es wird zählen, ob du dein eigenes Potential, jene seelische Schönheit und jenen immateriellen Reichtum, der in deinem Inneren wohnt, entfalten konntest und damit die Welt durch dich zu einem besseren Ort geworden ist. Ob du deine Liebesfähigkeit ausschöpfen und echte, tiefe Beziehungen zu Verwandten und Freunden aufbauen konntest. Ob du deine Talente gefördert und Kunstwerke damit geschaffen hast, wie nur du auf deine ureigene Art es vermagst. Keine zwei Menschen haben den exakt gleichen Lebensweg. Dein Weg ist, so wie er ist, einzigartig und unvergleichlich – nur du kannst ihn gehen und nur du kannst ihn erforschen, in all seinen Facetten.

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