Warum wir wollen, was wir müssen

Viele Menschen empfinden das Leben als endlose Aneinanderreihung von Dingen, die man tun muss: „Ich muss arbeiten“, „Ich muss mich um meine Familie kümmern“, „Ich muss den Haushalt machen“, „Ich muss Geld verdienen“, „Ich muss diese Prüfung schaffen“,  „Ich muss erfolgreich sein“, etc.

All dieses Müssen erzeugt enormen Druck und oftmals stehen Sätze, die mit „Ich muss“ beginnen in Zusammenhang mit Klagen, Erschöpfung oder Ärger. Man fühlt sich dem Müssen hilflos ausgeliefert, es ist alternativlos und streng und fordernd. 

Und dann gibt es noch die gefühlten 1000 Dinge, die man tun sollte: „Ich sollte mich gesünder ernähren“, „Ich sollte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen“, „Ich sollte mal wieder Sport machen“, „Ich sollte weniger trinken“, „Ich sollte mit dem Rauchen aufhören“, „Ich sollte mehr Zeit in der Natur verbringen“, etc.

warum-wir-wollen-was-wir-mussen-3Auch das Sollen ist gnadenlos, denn es ist der beste Freund des Konjunktivs – die meisten „Ich sollte“ verlaufen sich ins Niemandsland, erzeugen aufgrund fehlender Umsetzung ein schlechtes Gewissen, Minderwertigkeitsgefühle und noch mehr Druck. Zusätzlich wird die Liste des Sollens immer länger, weil uns Medien, Studien und auch Freunde und Bekannte permanent mit neuen Dingen konfrontieren: „Du solltest weniger Fleisch essen“, „Du solltest kein Plastik mehr kaufen“, „Du solltest Entspannungsübungen machen“, „Du solltest nur noch Fair-Trade Kleidung kaufen“, „Du solltest dich politisch mehr engagieren“, etc.

Sind wir also hechelnde Hamster, gefangen in einem sich ewig drehenden Rad, das sich durch das Müssen antreibt und dem nur durch die Umsetzung des Sollens vermeintlich zu entkommen ist?

In Wahrheit müssen wir gar nichts, außer wir wollen es. Jetzt wirst du vielleicht denken: „Ich will aber nicht von früh bis spät arbeiten für den Mindestlohn“. Nein. Aber du willst Geld verdienen, um dir Essen zu kaufen, vielleicht deine Familie zu ernähren, um ein Dach über dem Kopf zu haben, um ein komfortableres Leben zu haben als auf der Straße als Obdachloser. Du willst bestimmte Dinge also so sehr, dass du täglich bereit bist, einen Preis dafür zu bezahlen.

Hinter jedem einzelnen Müssen steckt ein unfassbar starkes Wollen. Sichtbar wird das, wenn du „Ich muss“-Sätze mit „weil ich will, dass“ weiterführst. Ein paar Beispiele:

  • warum-wir-wollen-was-wir-mussen-4Ich muss mich um meine Kinder kümmern, weil ich will, dass ihr Überleben gesichert ist und sie bestmöglich heranwachsen – so gut ich es vermag!
  • Ich muss diese Prüfung schaffen, weil ich will, dass ich mein Studium in Mindestzeit abschließe.
  • Ich muss den Haushalt machen, weil ich will, dass es um mich herum ordentlich und sauber ist.
  • Ich muss erfolgreich sein, weil ich will, dass man mich anerkennt und respektiert und mein Name in Erinnerung bleibt, wenn ich eines Tages gehe.

Umgekehrt steckt hinter jedem nicht umgesetzten Sollen ein noch nicht ausreichend starkes Wollen. Du hörst nicht auf Fleisch zu essen, weil dir deine Gesundheit, die Umwelt und die Tiere im Moment nicht so wichtig sind wie das Genuss- und Belohnungsgefühl beim Verzehren von Fleisch. Du machst nicht mehr Sport, weil dir Fitness gerade nicht so wichtig ist wie andere Dinge, die du in dieser Zeit tust – wie zum Beispiel Fernsehen, ein Buch lesen oder Freunde treffen.

Ein Sollen kann erst dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn dir der dahinterstehende Wert wichtig genug wird. Möchtest du dich gesünder ernähren und Sport machen? Dann beginne zuerst damit, dich intensiv mit Gesundheit auseinander zu setzen. Lies Bücher, schau Dokus, sprich mit anderen darüber, such dir Vorbilder. So lange, bis dir deine Gesundheit so wichtig und dein Wille so stark wird, dass dir die Umsetzung des „Ich sollte“ ganz leicht fällt.

warum-wir-wollen-was-wir-mussen-2Und hör auf, dich über das Müssen zu beschweren und dich als Opfer deiner Pflichten zu betrachten. Betrachte all dein Müssen vielmehr als Beweis deines starken Willens und als Ausdruck deiner Entscheidungskraft! Du warst in deinem Leben schon Millionen Mal bereit, dich reinzuhängen für etwas, das du willst. Bist an tausenden Tagen morgens aufgestanden, um deine Ziele zu verfolgen. Bist hunderte Male durch Stress, Druck, Tränen und Leid gegangen, weil dein unglaublich starker Wille dich angetrieben hat und dich das alles hat durchstehen lassen. In jedem einzelnen Moment, wo du atmest, zeigt sich dein Wille und deine Lust zu leben. Und erst wenn wir eines Tages in unseren letzten Momenten den Tod begrüßen, werden wir nichts mehr müssen und nichts mehr sollen.

 

 

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