Jahreswechsel – das schönste Feuerwerk ist in dir!

„Und, was macht ihr so an Silvester?“ – „Gar nix.“ – „Wie, gar nix?“ – „Na eben gar nix, wir bleiben zuhause und lassen das Jahr in Ruhe ausklingen.“ – „Keine Party?!“ – „Nein.“ – „Aha…“ 

So ungefähr laufen seit einigen Jahren die Gespräche mit uns über Silvester ab und ein bisschen amüsiert sie uns immer noch, die auftretende Irritation, wenn wir „gar nix“ sagen. Natürlich machen wir nicht wirklich nichts. Eigentlich machen wir sogar sehr viel, allerdings im Inneren: Wir zelebrieren den Übergang vom Alten zum Neuen, ganz bewusst und mit all unseren Sinnen. 

Rites de passage

Phasen des Übergangs, wie etwa das Erwachsenwerden, eine Hochzeit, die Geburt eines Kindes, der Sterbeprozess und auch Ereignisse wie der Jahreswechsel, der Gezeitenwechsel oder die Saisonen, sind in den meisten Kulturen Anlass für Rituale, Ekstase und/oder Kontemplation. Der französische Anthropologe Arnold van Genepp hat 1909 einen Begriff dafür geprägt, nämlich „rites de passage“ (Übergangsrituale), welche dabei helfen, sicher und wohlbehalten im Neuen anzukommen. Dabei gibt es drei Phasen:

  • Die Ablösungsphase: Das Alte endet und man löst sich aus dem bisherigen Zustand.
  • Die Liminale Phase: Eine Zwischenphase, in der man sich in einem undefinierten Raum befindet; weder alt noch neu, alles kann passieren, nichts ist bestimmt.
  • Die Integrationsphase: Man ist im Neuen angekommen und integriert den neuen Zustand in seine Identität.

saisonenSehr schön lässt sich dieses Prinzip anhand des Themas „Job“ illustrieren: Stell dir vor, du verlierst deinen Job und gehst am letzten Arbeitstag aus der Firma hinaus, ohne bereits einen neuen Job in Aussicht zu haben. Die Ablösungsphase beginnt und nach einer Weile hast du dich von jener Version von dir, die diesen Job gemacht hat, gelöst. Du bist nun in der liminalen Phase – das Alte ist vorbei, aber das Neue noch nicht hier. Du weißt nicht, was dein nächster Job sein wird, oder wann du ihn erhältst. Diese liminale Phase kann Angst machen und unangenehm sein, für andere wiederum ist sie aufregend und belebend. So oder so, mach dir klar, dass es sich lediglich um einen Übergang handelt, und das Neue bereits auf seinem Weg zu dir ist. Schließlich findest du einen neuen Job, deine Identität erweitert sich um einen neuen Verantwortungsbereich und neue Aufgaben. Mit der Zeit lebst du dich ein und integrierst die Veränderung in deiner Persönlichkeit.

In unserem Leben gibt es unzählige große und kleine Veränderungen und dieser Rhythmus von Alt-Pause-Neu lässt sich überall wieder finden, sogar in unserem Atem. Du atmest aus, das Alte endet. Der Atem pausiert kurz, Übergang und Vorbereitung. Du atmest ein, das Neue beginnt.

schreibenAuch der Jahreswechsel bietet eine ideale Gelegenheit, ganz bewusst solch ein Übergangsritual zu vollziehen; eine Art Bestandsaufnahme und Neujustierung des persönlichen Weges. Am besten machst du es dir dafür gemütlich, mit ein paar Blättern Papier und bunten Stiften, und lässt das Jahr anhand einiger Fragen Revue passieren:

  • Für welche Momente und Erlebnisse in diesem Jahr bist du von Herzen dankbar?
  • Welche Ereignisse haben dich gefreut, was für Erfolge wurden gefeiert, welche Ziele wurden erreicht? Wie sahen die Prüfungen und Hindernisse aus, welche Probleme und Verluste hast du durchlebt?
  • Wie haben die Erfahrungen in diesem Jahr dich verändert? Inwieweit unterscheidest du dich nach diesen 12 Monaten von dem Menschen, der du damals gewesen bist?
  • Welche Spuren hat das Jahr hinterlassen, positiv wie negativ, körperlich und geistig?

Deine Einsichten und Gedanken zu diesen Fragen notierst du dir und überlegst, was du im Alten Jahr zurücklassen kannst und welche Prozesse noch weiter andauern und mehr Zeit benötigen. Der Raum, der entsteht, wenn Altes losgelassen wird, kann mit neuen Wünschen, Plänen und Ideen gefüllt werden – diese notiere dir ebenfalls. Unterscheide dabei zwischen konkreten Vorhaben und abstrakten Wünschen.

1) Konkrete Vorhaben: Neujahrsvorsätze, die halten

Wichtig bei Neujahrsvorsätzen ist, dass es sich um etwas handelt, dass dir wirklich wichtig ist. Nehmen wir das beliebte Beispiel „Sport“. Viele Menschen nehmen sich Jahr für Jahr vor, ab nun mehr Sport zu treiben (oder überhaupt damit anzufangen). Das klappt vielleicht ein, zwei Wochen und danach ist man wieder in der üblichen sportarmen Routine und verurteilt sich hart dafür, es „wieder nicht geschafft zu haben“. Aber warum hat man es nicht geschafft? Ganz einfach: Weil es einem nicht wichtig genug war! Prüfe bei deinen Neujahrsvorsätzen immer dein Motiv – warum möchtest du z.B. mehr Sport machen? Sei hier ganz ehrlich zu dir selbst. Ist es, weil du in deiner Seele spürst, dass es für dich der richtige Schritt ist und weil du gerne gesund und vital wärst? Oder ist es, weil es im Trend liegt, fit und durchtrainiert zu sein, und ein unsportlicher Körper weniger soziales Ansehen genießt?

laufen-uber-wieseSelbst wenn deine Motivation „Gesundheit“ ist – prüfe auch hier wieder: Woher kommt das? Hat dir das ein Arzt geraten? Hast du Angst vor einer konkreten Krankheit? Bist du vielleicht schon erkrankt? Achte auch darauf, welche Bilder du im Kopf hast, wenn du an „Sport“ und „Gesundheit“ denkst. Siehst du dich schwitzen und keuchen und nur noch Salatblätter essen? Oder siehst du dich fit, strahlend und agil, vielleicht mit deinen Kindern über eine Frühlings-Wiese tollen, fangen spielen und Seil springen? Siehst du, wie du dich pudelwohl in deinem Körper fühlst? Mach dir in jedem Fall ein konkretes inneres Bild oder einen kurzen Film zu deinem Vorhaben, eine Vorstellung, die maximal positiv und erstrebenswert für dich ist.

Wenn du das alles hast, setze den den ersten konkreten Schritt sofort in die Tat um. Direkt noch an Silvester. Was musst du als erstes tun beim Vorsatz „mehr Sport“? Überlege dir, was für einen Sport du machen möchtest. Allgemeine Fitnessgeräte? Dann melde dich im nächsten Fitnesscenter an. Laufen gehen? Besorg dir Laufschuhe und gutes Laufgewand für jede Wetterlage. Tanzen? Buche einen Tanzkurs, frag im Freundeskreis nach Tanzpartnern! Schwimmen? Schau, wo das nächste Schwimmbad ist und kauf dir zur Feier deines Vorhabens einen schönen neuen Badeanzug / eine coole Badehose. Mach den ersten Schritt und überlege dir dann den zweiten Schritt.

Zusammengefasst: Prüfe, ob die Motivation für deinen Vorsatz wirklich und ehrlich aus dir heraus kommt! Kreiere dir zudem starke schöne Visionen von dir selbst und zelebriere diese, denke mehrmals am Tag daran und male dir alles im Detail aus. Dann setze sofort den ersten Schritt um und zerteile dein Vorhaben gedanklich in weitere einzelne Schritte.

2) Wünsch dir was!

Bei den abstrakten Wünschen kannst du einfach deiner Fantasie folgen und alles aufschreiben, was du dir auch von einer guten Fee wünschen würdest. Denke nicht darüber nach, wie realistisch deine Wünsche sind, oder wie man sie umsetzen könnte – das würdest du mit einer Fee ja auch nicht diskutieren. 😉 Zum Beispiel: „Endlich den Traummann finden“, „Richtig viel Geld erhalten“, „Berühmt werden“, „In ein Haus am Land/ein cooles Loft/ein repräsentatives Apartment  ziehen“, „Einen Beststeller schreiben“, „Eine Weltreise machen“, etc. Tob dich auf der Liste richtig aus und halte dich nicht zurück. Sei unbescheiden.

spritzkerzeWir machen dieses Ritual Jahr für Jahr und genießen das Gefühl, mit dem wir um Mitternacht ins Neue Jahr starten: dankbar, euphorisch, voller Vertrauen und gespannt, was die nächsten 12 Monate wohl alles für uns bereit halten. Wir kosten das Gefühl der Weite und Freiheit in der Phase zwischen Altem und Neuem voll aus – alles scheint möglich zu sein, das Leben pulsiert vor Potential! Und wenn du zu Mitternacht in den Himmel blickst und dem bunten Feuerwerk zusiehst, dann merkst du vielleicht, dass in dir ein noch viel schöneres und farbenfroheres Lichterspiel tanzt – eines, dass dich jeden Tag begleitet, nicht nur an Silvester.

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